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EUDI-Wallet-Use-Cases: Versicherung, HR und Verwaltung

Die EUDI-Wallet wird dort spannend, wo Nachweise, Identität und sichere Kommunikation heute noch viel manuellen Aufwand erzeugen. Drei Branchen zeigen das Potenzial besonders deutlich.

EUDI-Wallet-Use-Cases: Versicherung, HR und Verwaltung

Die EUDI-Wallet wird oft über Identität erklärt. Doch ihr eigentlicher Nutzen entsteht in konkreten Geschäftsprozessen. Überall dort, wo Menschen Nachweise vorlegen, Daten aktualisieren, Berechtigungen bestätigen oder sensible Informationen austauschen müssen, kann eine Wallet Medienbrüche reduzieren.

Drei Bereiche zeigen das Potenzial besonders gut: Versicherungen, HR und öffentliche Verwaltung. Sie haben unterschiedliche Anforderungen, aber ein gemeinsames Muster. Sie arbeiten mit sensiblen Daten, wiederkehrenden Nachweisen und vielen Situationen, in denen Vertrauen überprüft werden muss.

Versicherungen: Nachweise, Kommunikation und Kundenbindung

Versicherungen leben von vertrauenswürdigen Informationen. Kundinnen und Kunden müssen Identität, Vertragsdaten, Schadensinformationen oder Berechtigungen nachweisen. Versicherer wiederum stellen Policen, Beitragsinformationen, Deckungsbestätigungen oder Schadensstatus bereit.

Heute laufen diese Prozesse oft über Portale, E-Mails, PDFs und telefonische Rückfragen. Das funktioniert, ist aber selten angenehm. Wallets ermöglichen eine direktere und strukturiertere Interaktion:

  • Digitale Policen und Versicherungsnachweise werden als Credentials bereitgestellt.
  • Kundinnen und Kunden können Identitäts- oder Adressdaten gezielt teilen.
  • Schadensprozesse können über sichere Kanäle angestoßen werden.
  • Makler, Pools und Versicherer können vertrauenswürdige Statusinformationen austauschen.
  • Nachweise bleiben beim Kunden griffbereit und können bei Bedarf geprüft werden.

Der Vorteil liegt nicht nur in der Digitalisierung des Dokuments. Entscheidend ist die dauerhafte, sichere Verbindung zum Kunden. Eine Wallet kann ein Kommunikationskanal werden, der ohne Login-Hürden, Papier und unstrukturierte E-Mail-Anhänge auskommt.

HR: Mitarbeitende ohne Systemzugang erreichen

In vielen Unternehmen haben nicht alle Mitarbeitenden einen direkten Zugang zu HR-Systemen. Produktionsmitarbeitende, externe Kräfte, Beschäftigte im Handel oder mobile Teams sind oft schwer über klassische Portale erreichbar. Gleichzeitig müssen sie Stammdaten aktualisieren, Nachweise erhalten oder Dokumente sicher abrufen können.

Wallets können hier eine sehr praktische Lücke schließen:

  • Lohn- und Gehaltsabrechnungen werden sicher bereitgestellt.
  • Stammdatenänderungen können strukturiert zurückgemeldet werden.
  • Qualifikationen, Schulungen oder Berechtigungen werden als digitale Nachweise ausgestellt.
  • Onboarding-Prozesse werden schneller, weil Nachweise digital geprüft werden können.
  • Mitarbeitende behalten wichtige Dokumente auf dem eigenen Smartphone.

Gerade in Verbindung mit SAP HCM, SAP SuccessFactors oder anderen HR-Systemen entsteht ein hoher Nutzen. Die Wallet ist nicht das führende HR-System, sondern eine sichere Interaktionsschicht zwischen Mitarbeitenden und Systemlandschaft.

Öffentliche Verwaltung: Vom Antrag bis zum Nachweis

Die öffentliche Verwaltung ist ein natürlicher Anwendungsbereich der EUDI-Wallet. Viele Verwaltungsprozesse basieren auf Identität, Berechtigung und Nachweisen. Bürger:innen müssen Daten einreichen, Bescheinigungen abholen, Dokumente vorlegen und Statusänderungen melden.

Wallets können hier durchgängige digitale Prozesse ermöglichen:

  • Ein Sozialpass wird digital beantragt, geprüft und als Credential ausgestellt.
  • Ein Wohnsitznachweis kann für weitere Prozesse wiederverwendet werden.
  • Berechtigungen für kommunale Leistungen werden selektiv geprüft.
  • Bürger:innen geben nur erforderliche Daten frei.
  • Behörden können Nachweise schneller und nachvollziehbarer prüfen.

Wichtig ist dabei die Nutzerführung. Eine Wallet darf den Verwaltungsprozess nicht komplizierter machen. Sie muss Antrag, Prüfung, Ausstellung und Nutzung verständlich verbinden. Genau das macht Pilotprojekte so wertvoll: Sie zeigen, an welchen Stellen Technik, Recht und Alltagspraxis zusammenpassen müssen.

Gemeinsame Erfolgsfaktoren

Ob Versicherung, HR oder Verwaltung: Gute Wallet-Use-Cases haben einige Gemeinsamkeiten.

Erstens brauchen sie einen klaren Prozessnutzen. Ein Wallet-Projekt sollte nicht mit der Frage starten, welches Credential technisch möglich ist, sondern welches Problem gelöst wird. Weniger Rückfragen, weniger Papier, schnellere Prüfung, bessere Datenqualität oder sicherere Kommunikation sind gute Ziele.

Zweitens muss die Integration stimmen. Die Wallet ist nur so gut wie die Systeme, an die sie angebunden ist. Datenquellen, Freigaben, Widerruf, Statusprüfung und Supportprozesse müssen mitgedacht werden.

Drittens braucht es Vertrauen bei den Nutzerinnen und Nutzern. Menschen müssen verstehen, welche Daten sie teilen, mit wem sie sie teilen und warum. Transparenz ist kein Zusatzfeature, sondern Voraussetzung.

Ein guter Einstieg: Use-Case-Scoring

Für Organisationen lohnt sich ein strukturiertes Use-Case-Scoring. Dabei werden mögliche Wallet-Anwendungen nach Nutzen, Umsetzbarkeit, regulatorischer Relevanz, Integrationsaufwand und Nutzerakzeptanz bewertet. So entsteht eine realistische Roadmap statt einer Sammlung guter Ideen.

Typische Fragen sind:

  • Wie häufig tritt der Prozess auf?
  • Wie hoch ist der aktuelle manuelle Aufwand?
  • Welche Daten sind sensibel?
  • Welche Systeme müssen angebunden werden?
  • Gibt es eine klar erreichbare Pilotgruppe?
  • Wie schnell lässt sich ein messbarer Erfolg zeigen?

Fazit

Die EUDI-Wallet wird dann wertvoll, wenn sie konkrete Prozesse verbessert. Versicherungen, HR und Verwaltung bieten dafür starke Einstiegspunkte, weil dort viele Nachweise, sensible Daten und wiederkehrende Interaktionen zusammenkommen.

Unsere BU Wallets unterstützt Organisationen dabei, diese Use Cases zu priorisieren, technisch zu entwerfen und in bestehende Landschaften zu integrieren.

Quellen und weiterführende Informationen